Samstag, 21. November 2015

Seat Mii Style 1.0

Da mein Eintrag zu unserem Seat Leon so großen Anklang findet, dachte ich mir, dass es für einige Leser eventuell auch interessant sein könnte von unseren Erfahrungen zum Seat Mii zu lesen.

In über zehn Jahren im KFZ-Verkauf konnte ich unzählige unterschiedliche Fahrzeuge beruflich fahren und erfühlen. Zudem legten wir mit fünfzehn privaten Autos auch schon mehr als 750.000 km zurück. So erhielten wir einen ordentlichen Querschnitt über verschiedene Fahrzeugklassen und Marken. Trotzdem betrachten wir unsere Autos mit den Augen normaler Benutzer. Es geht um Funktionalität, niedrige Betriebskosten, Alltagstauglichkeit und vieles mehr.

Unser Seat Mii Style 1.0 ist  nun etwas mehr als drei Jahre alt und wir legten damit bereits über 25.000 km zurück. Daher kann man auch in diesem Fall von einem Langzeittest sprechen. Da die Geschichte etwas länger wird, kann ich den massiven Einsatz des Mausrades nicht nur verstehen, sondern für Leser die nur an den Fakten interessiert sind sogar empfehlen :-)

Die Entscheidung

diesen Seat Mii zu kaufen fiel sagen wir mal eher spontan. Wir hatten am Ende unseres Hausbaues keine Verwendung mehr für zwei Kombis. Einer davon war ein Peugeot 307 SW (den wir dann durch den Seat Leon ST ersetzten) und der andere ein VW Golf Variant aus dem Jahr 2000 mit einer relativ geringen Laufleistung von nur 110.000 km. Nachdem der Golf innerhalb weniger Stunden nach der Veröffentlichung des Inserates bereits einen Käufer gefunden hatte, mussten wir eher schnell für einen Ersatz suchen der es uns ermöglichte unsere Kids täglich in die Schule, den Kindergarten, zum Training und was weiß ich noch wo hin zu kutschieren.

Dabei waren unsere Ansprüche an das Zweitauto eher gering. Schließlich wurde es hauptsächlich für Kurzstrecken benötigt. Meine Frau Sabine und ich setzten uns also hin und gingen mal durch was der Wagen unbedingt haben müsste. In unserem Pflichtenheft standen letztendlich folgende Punkte:

  • Es sollte ein Fahrzeug mit geringen Außenabmessungen sein, da es in der Stadt immer schwieriger wird Parkplätze zu finden.
  • Ein Benzin-Motor wäre bevorzugt, da diese im Winter doch noch immer eine spur Laufruhiger sind und auch die winterlichen Kurzstrecken eher verkraften. Dem gegenüber steht ein nur noch unwesentlich höherer Verbrauch, was aber durch einen günstigeren Anschaffungspreis meist wett gemacht wird.
  • Der Motor sollte wenig Leistung haben damit die laufenden Kosten günstig sind. Trotzdem sollte das Fahrzeug im unteren Geschwindigkeitsbereich halbwegs spritzig sein.
  • Bluetooth Connection mit Freisprecheinrichtung, denn jegliches Nachrüstgerät bot bislang nur einen Bruchteil des Komforts. Vorzugsweise mit Lenkradfernbedienung
  • Abgedunkelte Scheiben hinten, obwohl man sich das auch recht einfach nachrüsten lassen kann.
  • Na und kosten soll der Wagen natürlich so wenig wie möglich, da wir ihn finanzieren mussten und die monatlichen Kosten im Rahmen bleiben sollten.

Zu diesem Zeitpunkt waren wir noch nicht auf die Konzernmarken VW, Audi und Seat beschränkt, da wir immer noch den Glauben hatten, dass auch andere Hersteller gute Autos bauen können. Lediglich die Marken Suzuki, Citroen und KIA/Hyundai hatten wir wegen der schlechten Erfahrungen der letzten Jahre komplett ausgeschlossen.

Zwischen 2004 und 2009 hatten wir einen KIA Picanto der damals stolze 11.500,- Euro kostete und dem Mii in Form und Funktionalität sehr ähnlich war. Dieses Auto hatte allerdings eine Vielzahl an außerplanmäßigen Werkstattaufenthalten die wir zwar in den seltensten Fällen bezahlen mussten (Garantie), während derer wir aber jeweils nur ein Auto zur Verfügung hatten. So stand der Picanto in fünf Jahren ganze vier Monate in der Werkstatt, weil manche Teile aus Kore bestellt werden mussten und die Lieferzeit von dort elend lang ist.

Mit diesen Vorgaben machte ich mich auf die Suche. Dabei kamen neben Neuwagen natürlich auch junge Gebrauchte in Frage, da man sich hier schon mal ein paar Euro sparen kann.

Die Auswahl

wurde durch die Notwendigkeit eines schnellen Kaufs ein Wenig beschleunigt. Normaler Weise lasse ich mir immer sehr lange Zeit mit meiner Auswahl, da wir das Fahrzeug dann mehrere Jahre besitzen und schließlich möglichst bis zum Verkauf zufrieden sein wollen.

Meine Suche nach Kleinstwagen ergab naturgemäß eine unglaublich große Zahl an Ergebnissen die in vielen Fällen mehr oder minder ähnlich waren. Auch wenn ich kurz mit dem Audi A1 geliebäugelt habe, war mir schnell klar, dass dieser die Vorgabe "möglichst günstig" eher nicht erfüllen kann.

Letztendlich kamen mir die Schwesternmodelle VW up! / Seat Mii / Skoda CityGo unter, deren Markteinführung nur wenige Monate zuvor war und man sie daher im Straßenbild noch nicht so häufig wahrnehmen konnte. Die drei Fahrzeuge sind von der technischen Basis her baugleich und unterscheiden sich vorwiegend durch veränderte Anbauteil im Front- und Heckbereich sowie durch Ausstattungsunterschiede.

Die relativ kantige Form und der daraus resultierende Platz im Innenraum lassen die drei Modelle im Straßenbild sowohl attraktiv als auch praktisch auftreten.


Der Kauf

ging schneller über die Bühne als es der Weltauto-Verkäufer vom Porsche Interauto Betrieb in Wien Liesing gewohnt war.

Wir halten manche Dinge gerne einfach. Wenn wir uns ausreichend informiert haben und der Meinung sind, dass eine Ware es wert ist zu einem bestimmten Preis von uns gekauft zu werden, dann braucht es vor Ort keine Überzeugungskraft mehr. Außerdem kennen die, bei AutokäuferInnen gerne auftretende, Kaufreue nicht. Ist es einmal gekauft, dann ist der Fall erledigt. Sich im Nachhinein zu fragen ob der Kauf eine gute Entscheidung war bringt nichts mehr, weil der Vertrag bereits geschlossen ist und man nun nichts mehr machen kann.

Also gingen wir auf einen Verkäufer zu und fragten nach dem Seat Mii Style 1.0 in schwarz, der laut Weltauto-Börse auf dem Gebrauchtwagen-Platz stand. Der Wagen war eine Tageszulassung ohne Laufleistung.

Innerhalb weniger Minuten hatten wir gemeinsam mit dem Berater den Wagen gefunden, sind einmal darin zur Probe gesessen und stellten fest, dass es wohl keinen anderen mehr geben werde der in Punkt Preis und Leistung ein derart stimmiges Angebot bieten würde. Somit kauften wir den Wagen und schlossen auch gleich die passende Finanzierung inklusive Vollkaskoversicherung ab.

Der ganze Vorgang vom Betreten des Verkaufsraumes bis zum fertigen Finanzierungs- und Versicherungsvertrag dauerte gerade mal vierzig Minuten.

Die Optik

liegt im Auge des Betrachters. Natürlich. Unserer Meinung nach sind die Modelle von Seat in den letzten Jahren zunehmend sportlicher geschnitten worden. Vor allem bei den größeren Modellen macht sich das sehr stark bemerkbar, dass die Fensterlinien schmäler, die Fensterkanten höher und die Dachlinien flacher wurden.

Zugegebener Maßen ist es bei einem Modell wie dem Mii etwas schwierig diese Designlinie zu verfolgen, da die Abmessung sehr kompakt und die Möglichkeiten daher eher beschränkt sind. Trotzdem schafften die Designer von Seat so etwas wie einen sportlichen Touch in die Front des Fahrzeugs zu bringen.

Angefangen vom derzeitigen Markengesicht dessen markante Scheinwerfer weit in die Kotflügel reichen und dessen Kühleinlässe mit sportlichen Waben-Blenden versehen sind, spannen sich Kanten über die Motorhaube die den aktuellen Trend der modischen Blechkanten absolut gerecht werden. So wird beim Mii gleich an der Front die 'rundgelutschte' Optik vieler Kompaktautos vermieden.


Bei den Außenspiegeln wurde in der Design-Abteilung von Seat endlich mal ordentlich Hand angelegt, nachdem die Spiegel der letzten früheren Seat Generationen den Anschein erweckten, dass sie im Designprozess vergessen und dann noch schnell von einem Zulieferer angekauft wurden. Am aktuellen Modell gliedern sich die Außenspiegel in das kantige Gesamtbild perfekt ein.

Starke Kanten die sich von den großen Außenspiegeln über die Türen bis zum Kofferraum ziehen und und eine optische Verlängerung des hinteren Kotbleche bis in die vorderen Türen verleihen dem Zwerg ein dynamisches Auftreten. Dadurch sieh der Wagen schon im Stand schneller aus, als er es auf dem Papier zu sein vermag.

Die Türgriffe sind in einer Linie angebracht, liegen für durchschnittlich große Menschen auf einer guten Höhe und haben schön tiefe Griffschalen. Vor allem Frauen wird die Tiefe der Griffschalen auffallen, da es immer wieder mal vorkommt, dass man mit gut manikürten Fingernägeln am Lack im Inneren der Schale entlang kratzt. Das ist neben dem unangenehmen Gefühl auch nicht sehr vorteilhaft für den Lack. Weder auf den Nägeln noch am Auto.

Durch die für Fahrzeuge dieser Größenordnung eher flach stehenden Frontscheibe enthält der Seat Mii eine fließende Form im Frontbereich die sehr gut ins Auge geht. Etwas unpraktisch ist die etwas eingeschränkte Sicht nach links Vorne durch breite A-Säule. Bei langgezogenen Linkskurven im Wohngebiet neige ich dadurch dazu mich am Lenkrad nach Vorne zu ziehen um während der Fahrt den schlecht einsehbaren Bereich zu minimieren.

Am Heck blieb den Designer nicht viel Spielraum, da bei der kompakten Größe alles andere als ein Gerader Abschluss wohl zu Unstimmigkeiten mit dem Marketing geführt hätten. Es ist schließlich schwer jemanden in dieser Klasse ein Auto zu verkaufen dessen Nutzwert hinter dem Design angestellt wird.

Trotzdem empfindet man das Heck des Mii als sehr stimmig. Verantwortlich dafür dürfte die leicht schräg angestellte Heckscheibe und der etwas aus dem Heck ausgerückte Stoßfänger sein. Vor allem der Stoßfänger verleiht dem Seat Mii ein bulliges Auftreten, da dieser die Kotbleche überleitet und in eine Verbreiterung übergeht.

Alles in Allem ist der Seat Mii bei aller Funktionalität nicht langweilig.

4 von 5 Sternen


Der Innenraum

ist das was man beim Autofahren am häufigsten sieht und nützt. Daher ist es wichtig, dass hier alles passt und dort ist wo man es erwartet. Möglicherweise bin ich gerade in diesem Bereich etwas Markenblind, da ich der Meinung bin, dass gerade VW mit dem Golf nicht nur eine eigene Fahrzeugklasse schuf, sondern auch in der Bedienung Standards setzte. Ich will jetzt nicht sagen, dass ich mich in Fahrzeugen anderer Marken nicht zurecht finden würde, aber so schnell und problemlos zurechtfinden wie in einem Fahrzeug des VW-Konzerns konnte ich mich noch in keinem anderen Modell.

Die Schalter sind dort wo man sie erwartet. Auch ohne einen Blick in das Bordbuch zu werfen hatte ich nie das Gefühl mich nicht zurecht zu finden. Auch gab es nie den Fall, dass ich mir dachte "Wo finde ich jetzt diese Einstellung?" oder "Wo ist nochmal der Knopf dafür?" Die Bedienung ist intuitiv einfach und logisch aufgebaut. Wobei ich zugeben muss, dass der Mii auch eher wenige zusätzliche Optionen bietet die über die Bedienungselemtene eines Fahrschulautos hinaus gehen.


Was die Haptik der Materialen betrifft muss man den Grundpreis dieses Autos immer im Hinterkopf behalten. Der recht massive Einsatz von harten Kunststoffen ist dem durchaus günstigen Basispreis dieses Modells geschuldet. So darf man sich nicht erwarten, dass Armauflagen in den Türen oder etwa das Armaturenbrett geschäumt sind. Auch sind die Türen nicht komplett verkleidet, was meiner Ansicht nach allerdings einen eigenen Charme verströmt. Mir persönlich gefällt die Kombination
aus lackiertem Blech (in Wagenfarbe) und der sich davon absetzenden (je nach Innenfarbe) Verkleidung sehr gut. Allerdings gefiel mir auch der Käfer sehr gut, obwohl der nicht aus meiner Generation stammt, und Retro ist ja wieder stark im Kommen.

Egal wohin man im Seat Mii blickt, man hat nie das Gefühl in einem billigen Auto zu sitzen. Die Verarbeitung der Materialien ist ausgezeichnet. Selbst bei großer Hitze oder starker Kälte mit Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt gab es keinerlei Knarzgeräusche im Auto. Sowohl der Armaturenträger als auch alle anderen Punkte an denen sich unterschiedliche Materialien (Metall, Kunststoff, etc.) treffen, verhielten sich bislang ruhig und unauffällig.

Die Sitze

in der ersten Reihe sind gut geformt, bieten einen sehr gute und ausreichend lange Auflagefläche und lassen sich perfekt auf Fahrerinnen und Fahrer zwischen 150 und 195 cm Körpergröße justieren. Die Längsverstellung ist auch für sehr lange Beine geeignet. Durch die parallele Höhenverstellung kann man sich ideal in Richtung Autodach hochpumpen. Dabei wird die Sitzfläche beim Verstellen der Höhe nicht geneigt. Bei manchen anderen Herstellern neigt sich die Sitzfläche schräg nach hinten wenn man den Sitz tiefer stellt. Zudem lassen sich natürlich die Lehnen neigen wie bei jedem anderen Fahrzeug. Die Neigung der Lehnen lässt sich durch einen kleinen Hebel auf der Sitzinnenseite schnell einstellen.

Was sofort auffällt sind die Integral-Kopfstützen. Diese lassen sich nicht in der Höhe oder Neigung verstellen und sollen für alle FahrerInnen ideal angepasst sein. Natürlich steckt hinter dem werbewirksamen Schönreden ein simpler Spargedanke. Einer der sich bei einem Auto dieser Klasse kaum vermeiden lässt, da man sich schon in der Entwicklung darum bemühen muss möglichst geringe Produktionskosten zu haben, um den Kunden ein möglichst preiswertes Auto anbieten zu können.
Meine Frau ist mit den Kopfstützen nicht ganz glücklich da diese ihrer Meinung nach eher unangenehm auf den Hinterkopf drücken. Mir fallen die Kopfstützen im Gegensatz dazu nicht mal auf. Vermutlich hat sie mit 164 cm Körpergröße und den oft zu einem Knoten gebundenen Haaren hier einen kleinen Nachteil.

Der Stoffbezug unseres Modells ist angenehm und verursacht keine elektrostatische Aufladung. Zudem ist er trotz der Kombination aus dunklen Seitenteilen mit hellen Mittelbahnen nicht besonders Anfällig für Verschmutzungen. Dafür verleiht diese Kombination dem Innenraum ein sehr freundliches Ambiente.

In der zweiten Reihe bietet unser Mii nur noch zwei weiteren Passagieren Platz. Selbst mit dem Fünfsitzerpaket und einem zusätzlichen Dreipunktgurt in der Mitte finde ich dieses Fahrzeug für längere Fahrten zu Dritt ungeeignet. Dafür währen die Platzverhältnisse im Font ungeeignet. Kopffreiheit bietet der Mii jedoch an vier Plätze mehr als genug. Hier würden sich vermutlich sogar Hutfahrer wohl fühlen, selbst wenn sie hinten Platz nehmen müssten.
Die Sitze selbst sind auch in der zweiten Sitzreihe sehr bequem, wenngleich die Beinauflage etwas geringer ist. Für Erwachsene sind die Sitze im Alltag vollkommen ausreichend und auch auf längeren Fahrten mit Kindern wurden sie bislang nie als unbequem empfunden.

Der Kofferraum

ist vorhanden. Denn was sollte man sich von einem Kofferraum in dieser Klasse Anderes erwarten.
Man kann erkennen, dass die Gestaltung des Laderaumes nicht zu den Top-Kriterien beim Design gehörten. Möglicherweise liegt das daran, dass Fahrzeuge in dieser Größenordnung vorwiegend als Zweitwagen und auch nur für kleinere Einkäufe genutzt werden.
Das soll jetzt nicht bedeuten, dass der Laderaum nicht nutzbar wäre. Ganz im Gegenteil. Man findet sogar relativ viel Platz um Dinge zu verstauen.

Die Einkäufe für eine vierköpfige Familie lassen sich problemlos verstauen und sogar Getränkekisten bereiten einem kein Kopfzerbrechen. Allerdings ist der Laderaum nur über eine hohe Ladekante zu erreichen über die man die Kisten erst einmal heben muss. Ein weiteres kleines Manko stellt die extrem dünne Platte über der Reserveradmulde dar, die an dieser Stelle lediglich eingelegt ist und an keiner Stelle extra fixiert werden kann. Stellt man beispielsweise eine Getränkekiste zu ungestüm auf die Platte, dann verrutscht diese schon mal und die Kiste kippt in die Reserveradmulde. Dann wieder für Ordnung im Kofferraum sorgen, vor allem wenn noch andere Dinge darin liegen, wird zur Sonderaufgabe.

Um den Kofferraum zu erweitern lässt sich die Rücklehne der hinteren Sitzbank dann auch noch umlegen (je nach Modell komplett oder geteilt). Somit ist nicht unbedingt Schluss, wenn man zwei Kisten im Kofferraum hat und noch immer Dinge zum Verstauen auf dem Bürgersteig stehen. Allerdings wird die Ladefläche nicht eben, wenn man die Lehne klapp. Zudem entsteht eine Kante zwischen Kofferraum und Lehne die etwa 12 cm hoch ist.

Der Innenraum ist durchwegs funktional und praktisch, sauber und aufgeräumt und mit ordentlichen Materialien umgesetzt. Dass im Vergleich zu größeren Modellen Abstriche zu machen sind liegt auf der Hand. Schließlich bezahlt man für hübscher verarbeitete Modelle ja auch einen ordentlichen Aufpreis.

4 von 5 Sternen


Die Funktionsausstattung

ist bei einem modernen Auto oft extrem umfangreich. Unzählige Features die einem den Autoalltag erleichtern sollen sind meist bereits serienmäßig an Bord oder können aus teilweise unüberschaubaren Aufpreislisten gewählt werden.

Beim Seat Mii muss man sich darüber dann doch nicht so sehr den Kopf zerbrechen, da dieser einerseits recht ordentlich ausgestattet ist, und andererseits kaum viel besser konfiguriert werden kann.

Unser Seat Mii Style hatte bereits einige Features an Bord:


  • ABS
  • Front- und Seitenairbags (wobei der Beifahrer-Airbag abschaltbar ist)
  • Gurtstraffer vorne
  • ESP
  • City-Notbrems-Assistent
  • manuelle Klimaanlage
  • Zentralverriegelung
  • Fensterheber vorne
  • Radio mit RDS
Ehrlich gesagt erwarte ich mir von einem Stadtflitzer nicht mehr als das was er bereits bietet. Lediglich der Wunsch nach einer Freisprecheinrichtung war da. Einfach aus Gründen der Sicherheit. Da das Nachrüsten der Parrot FSE über 300,- Euro gekostet hätte, wählten wir den Weg über ein Nachrüst-Radio mit FSE welches über einen CAN-Bus-Adapter mit dem BUS des Seat verbunden ist. Der finanzielle Aufwand dafür lag bei knapp 130,- Euro inklusive der benötigten Adapter und Blenden.

Die Klimaanlage

bietet eine ordentliche Leistung und schafft es auch an den heißesten Tage das Klima im Auto auf ein
vernünftiges Niveau zu senken. Da sie manuell gesteuert wird muss man die Innenraumtemperatur selbst im Auge behalten, da die Anlage so lange kühlt bis man sie deaktiviert oder sie an der technisch machbaren Tiefsttemperatur angelangt ist.

Die Defrost-Funktion für die Windschutzscheibe und die Heckscheibenheizung liefern absolut perfekte Ergebnisse die gerade bei der Windschutzscheibe nur noch durch eine aktive Beheizung der selben übertroffen werden könnte.

Die Fensterheber 

werden manchen FahrerInnen nicht behagen, denn für die vorderen Türen können die elektrischen Fensterheber nur in der jeweiligen Türe bedient werden. So lässt sich das Fenster der Beifahrerseite nur öffnen oder schließen, wenn man sich hinüber beugt und an der Beifahrertüre die Taste drückt.

An den hinteren Scheiben gibt es überhaupt keine versenkbaren Scheiben. hier wurden aus Kosten- und vermutlich auch Platzgründen Ausstellfenster angebracht. Vor allem unsere siebenjährige Tochter bemängelt das immer wieder, weil sie die Fenster nicht ohne Hilfe öffnen kann (die Klammern sind ziemlich schwergängig). Außerdem würde sie gerne ab und zu das Fenster weiter öffnen können.

4 von 5 Sternen

Der Motor

ist trotz des geringen Hubraums und des Fehlens des vierten Zylinders recht ordentlich. Der Seat Mii 1.0 mobilisiert 60 PS aus 999 ccm Hubraum und bringt 95 Nm an die Räder der Vorderachse.

Das kling nicht besonders spritzig, relativiert sich aber durch das geringe Fahrzeuggewicht. Damit hat der Motor nämlich sichtlich keine Probleme bei der Beschleunigung. Außer wenn der Wagen voll besetzt ist. Dann anders als bei stärkeren Motoren merkt man jeden zusätzlichen Passagier im Fahrzeug. Sitzen vier Erwachsene im Auto, dann hat man das Gefühl aussteigen zu wollen um dem Fahrzeug durch dezentes Anschieben auf die Sprünge zu helfen.

Dafür ist der Motor, dessen Laufleistung erst bei geringen 25.000 km liegt, ein echtes Arbeitstier. Im Gegensatz zu den hochgezüchteten Aggregaten mit Kompressor, Turbo und Co. werkelt dieser Antrieb nahezu unbemerkt. Nämlich dann, wenn es darum geht Motoröl nachzufüllen. Nicht ein einziges Mal mussten wir zwischen den Jahresservices Nachfüllen. Ganz im Gegensatz zu dem Seat Leon bei dem wir spätestens alle 5.000 km für Ölnachschub sorgen müssen damit die Kolben sich nicht in ihren Zylindern festfressen.

Auch bei der letzten §57a Überprüfung (Hauptuntersuchung in Österreich) konnte außer ein bisschen Staub an der Oberseite absolut nichts Negatives an der Maschine festgestellt werden.

Die Fahrleistungen

sind wie bereits erwähnt der Motorleistung entsprechend. Man darf sich keinen sportlichen Vortrieb erwarten. Allerdings bewegt sich der Mii im unteren Geschwindigkeitsbereich bis etwa 60 km/h durchaus agil. So muss man sich in der Stadt keine großen Gedanken machen, nicht mit dem Verkehr mit schwimmen zu können. Im Gegenteil: Bis zu einer Geschwindigkeit von etwa 50 km/h (Stadttempo) gehört man in vielen Fällen zu den Gewinnern beim Ampelstart, denn genau hier spielt der kleine Motor ohne Aufladung in Kombination mit dem geringen Gewicht seine Stärken aus.

Auch wenn es sich bei unseren Mii um ein Zweitauto handelt wird der Wagen nicht nur im städtischen Raum bewegt. Regelmäßige Fahren auf Bundesstraßen und hin und wieder längere Fahrten auf der Autobahn gehören ebenso zum Standard in unserem abwechslungsreichen Autoalltag. Dabei überzeugt der Mii auf Autobahnen mit einer wirklich flotten Gangart. Erst bei 175 km/h (Tachoanzeige) also reellen 164 km/h (GPS) ist Schluss mit Vortrieb.

Der Spritverbrauch

lag bei uns über die Laufleistung von 25.000 km bei durchschnittlich 5,41 Liter pro 100 km. Damit liegt der Verbrauch deutlich über den Herstellerangaben. Allerdings ist das nicht weiter verwunderlich, da der Messzyklus zur Ermittlung des Normverbrauches sehr wenig mit realen Anforderungen tun hat.

Die Zusammensetzung unserer gefahrenen Strecken war innerhalb der letzten drei Jahre immer in etwa folgender Maßen:

  • 60% Stadtanteil
  • 25% Freilandstraße
  • 15 % Autobahn
Nun sind wir keine besonders vorausschauenden Fahrer und können uns bei der Berührung des Gaspedals kaum in Zurückhaltung üben. Wir bewegen unsere Fahrzeuge eben gerne etwas zügiger und ordnen uns auch nicht besonders gerne weiter hinten ein. Außerdem wüssten wir nicht wie hoch die Höchstgeschwindigkeit liegt, wenn wir sie nicht zu erreichen versuchen würden. Diese Fahrweise kostet natürlich etwas mehr, weil dadurch auch der Verbrauch steigt. Ein Bekannter von uns fährt seinen Mii mit knapp unter 5 Litern auf 100 km. Wir erkaufen uns den zusätzlichen Fahrspaß mit einen halben Liter Sprit auf 100 km :-)


4 von 5 Sternen

Das Fahrverhalten

ist für einen Kleinstwagen wirklich erstaunlich. Ein bisschen wird man an das Fahren mit einem Go-Kart erinnert. Straßenbeläge werden teilweise nur gering gefiltert an den Innenraum weitergegeben. Sowohl akustisch als auch an den Rücken.

Die Lenkung

ist ziemlich direkt und lässt Rückmeldungen von der Straße durch. Man fühlt sich nicht so entkoppelt wie bei vielen anderen Fahrzeugen, sondern hat das Gefühl aktiv im Geschehen eingebunden zu sein. trotzdem geht die servounterstützte Lenkung sehr leichtgängig und erleichtertet damit vor allem das Einparken sehr.

Schnell gefahrene Kurven

sind nicht unbedingt die Spezialität des Seat Mii. Das Fahrwerk ist zwar eher fest ausgelegt, der geringe Radstand und der hohe Schwerpunkt des Wagens in Verbindung mit den eher schmalen Reifen lassen aber gerade in solchen Kurven ein wenig Stabilität vermissen. Hier merkt mein einfach, dass dieses Auto für die Stadt ausgelegt ist und dort auch die idealen Lebensbedingungen vorfindet.

Wer häufig auf Autobahnen unterwegs ist und dort ein höheres Tempo fahren möchte, wird vermutlich zu einem anderen Modell greifen.

Das Getriebe

kostete mich Anfangs Nerven. Dabei ist hier nicht wirklich das Getriebe schuld, sondern mein Gehirn dem es zu Beginn nicht einzutrichtern war, dass dieses Auto rechts unten (als an der Stelle wo bei den meisten Autos der 6. Gang sitzt) den Retourgang hat. Das wäre nun nicht das Problem, wenn der Retourgang in der Vorwärtsbewegung gesperrt wäre. Leider erhielt ich Anfangs immer ein trotziges Kratzen aus dem Getriebe, wenn ich versucht war, wie bei unserem anderen Auto, den 6. Gang einzulegen. Die Schaltung hinderte mich nicht daran, den Versuch zu starten und erst das Kratzen aus dem Getriebe informierte mich über meinen Fehler. Glücklicherweise würde es viel Kraft und Überzeugung brauchen während der Fahrt den Retourgang einzulegen. Für den Fall, dass man es schaffen würde, wären die Folgen aber vermutlich verheerend.

Grundsätzlich ist das Getriebe angeblich nur teilsynchronisiert (meinte der Mechaniker in der Seat-Werkstatt) was dazu führt, dass die Gänge nicht so satt einrasten wie bei anderen Modellen. Ich habe das Gefühl, dass sich der Seat Leon viel angenehmer schalten lässt als der Mii. Zu Problemen führte das freilich nie. Es fiel mir nur auf, dass sich die Gänge nicht ganz so sauber einlegen lassen.

Außerdem ist die Kupplung vermutlich nicht für hohe Belastungen ausgelegt. So kam es ab und zu dazu, dass bei voller Belegung mit vier Erwachsenen die Kupplung beim rückwärts Einparken im steilen Gelände rutschte und merklicher Kupplungsgestank in der Luft lag. Auch das sei bei diesem Modell normal und die Kupplung selbst zeigte danach auch keine negativen Auswirkungen.

Die Übersetzung der Gänge ist so gewählt, dass man mit 1. und 2. Gang ordentlich Vortrieb im niedrigen Geschwindigkeitsberich hat. Perfekt für den Stadtverkehr.

3 von 5 Sterne


Die Kosten

halten sich beim Seat Mii mit der 1.0 Liter Maschine in Grenzen. Beim Spritverbrauch ist er kein Asket, aber auch nicht über die Maßen anspruchsvoll und für Ersatzteile und Zubehör hatten wir bei anderen Modellen schon tiefer in die Taschen gegriffen.

Für die Bereifung wurde folgender Betrag fällig:
  • Ein Satz Winterreifen Michelin Alpin A4 165/70R14 81T montiert auf Stahlfelge 5.0x14 kam in Summe auf 412,40 Euro
Gerade beim Reifenkauf ist es nicht unerheblich ob für ein Fahrzeug Standard-Reifendimensionen typisiert sind. Im Vergleich dazu mussten wir bei unserem Kia Picanto für sogenannte Asphaltschneider (ziemlich schmale und kleine Bereifung) tiefer in die Tasche greifen, da es sich um ein kaum gängiges Sondermaß handelte.


Über die vergangenen drei Jahre hatten wir in etwa folgende Ausgaben:
  • Rund 1.350 Liter Treibstoff, der auf Grund des mittlerweile gesunkenen Ölpreises nun endlich wieder etwas günstiger ist, für knapp 1.700,- Euro.
  • Zwei Kanister Mobil F1 mit je fünf Liter für 100,- Euro
  • Drei mal Jahresservice (1. Jahr: 160,- / 2. Jahr: 220,- / 3.Jahr: 164,- ) für gesamt 554,- Euro
  • Nach fünf Jahren müssten die Sommer- und Winterräder ersetzt werden. Dafür nehme ich 600,- Euro an.
Somit stehen einer Laufleistung von knapp 700 km pro Monat Betriebskosten in der Höhe von etwa 75,- Euro pro Monat gegenüber. Dazu kommen noch etwa 25,- Euro für Haftpflicht und Vollkaskoversicherung in der niedrigsten Stufe sowie die österreichische KFZ-Steuer dazu.

Würde man nun auch noch den kalkulierten Wertverlust einrechnen, dann käme man auf monatliche Gesamtkosten in der Höhe von etwa 236,- Euro. Somit kann man dem Seat Mii attestieren, dass es sich in seiner Gesamtheit um echt kostengünstiges Fahrzeug handelt. 


5 von 5 Sternen für die Kosten

Unser Fazit

ist durchwegs positiv. So fanden wir im Seat Mii Style 1.0 einen flinken und beständigen Begleiter mit guter Ausstattung zum angemessenen Preis und durchaus vernünftigen Betriebskosten. Klein genug um auch bei schwierigsten Parkplatzbedingungen fündig zu werden, und groß genug um einer vierköpfigen Familie auch bei Kurzurlauben genug Platz für Sack und Pack zu bieten.

Sowohl der Motor als auch das Fahrwerk sind für die Klasse überdurchschnittlich gut gelungen. Das Fahrverhalten, die Platzverhältnisse und auch die Verarbeitung ist unserer Ansicht nach ebenso überdurchschnittlich.

In drei Jahren musste der Mii kein einziges Mal außertourlich in die Werkstadt. Die Kosten für das jährliche Service sind im Vergleich zu unserem Seat Leon ST etwas höher gewesen. Warum das so ist, blieb uns verborgen. Die Betriebskosten für Kraftstoff, Reifen und Service sind überschaubar

Somit ist der Seat Mii eine absolute Empfehlung als Stadtauto, als Zweitauto, für Familien die nicht den Anspruch haben große Urlaubsreisen mit dem Auto zu machen oder einfach als sicheres und spritziges Auto für junge Leute.

4 von 5 Sternen für das Gesamtpaket

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